
Architektur für die Ohren
PWA & Apps
Autor: Dr. Ute Strimmer | Veröffentlicht am: August 2021 | Lesezeit: 9 Minuten
Quelle: https://www.restauro.de
Der neue Audioguide von tonwelt für das MKM Museum Küppersmühle in Duisburg lässt Interessierte noch tiefer in die Kunst‑ und Architekturwelt eintauchen.
Wie gut man Architektur auditiv vermitteln kann, das hat das Berliner Unternehmen tonwelt jetzt mit einer Audioführung bewiesen, die in enger Zusammenarbeit mit dem Museum Küppersmühle (MKM) in Duisburg entstand. Wer die Beiträge hört, ist überrascht: Tatsächlich ersteht das Museumsgebäude vor dem geistigen Auge, selbst wenn man sich nicht darin befindet oder es nicht besuchen kann. Wir spitzen die Ohren und erfahren, dass die Erweiterung der einstigen Mühle mit Getreidespeicher über den Altbau erschlossen wird und dazwischen die erstmals zugänglichen historischen Silos als Scharniere sitzen. Über Brücken sind sie mit dem neuen Gebäudeteil verbunden. Das umgenutzte Industriedenkmal beherbergt die hochkarätige Gegenwartskunst der Sammlung Ströher auf nunmehr 6.100 Quadratmetern, darunter Werke von Anselm Kiefer, Georg Baselitz und Gerhard Richter.
Dass sich Raumerfahrungen auf auditivem Wege tatsächlich sehr gut vermitteln lassen, weiß auch Dr. Hans von Seggern. Der Digital‑Experte ist Berater bei tonwelt, einem Unternehmen, das in der Branche schon längst etabliert ist und sich seit vielen Jahren mit der Produktion von audiovisuellen Inhalten beschäftigt und unter anderem damit die großen Museen der Welt wie Kunsthaus Zürich und den Paris Louvre beliefert hat, aber auch ganzheitliche Lösungen für die Besucherführungen über eigene Audio‑ und Multimediaguides, Apps – alles zusammen im Multiplattform‑Ansatz – bietet. „Vielen ist gar nicht bewusst, was man alles mit Audio machen kann“, erzählt Hans von Seggern. „Wenn man es gut macht, kann man mit auditiven Inhalten sehr viel erreichen. Manchmal sogar viel mehr als mit Bildern in einer Multimedia‑Tour“, verrät der Fachmann. Bei der Erstellung und inhaltlichen Beratung des Audioguides für das Museum Küppersmühle war tonwelt von Anfang an mit dabei. „Digitale Angebote sind heute nicht länger nur ein ,add on‘ zu angestaubten Vitrinen, sondern werden von Beginn an in die Planung von Ausstellungen miteinbezogen“, so Hans von Seggern.
Gerade tonwelt versteht sich als inhaltlicher Sparringspartner und unterstützt in der Phase der Konzeption, Texterstellung und Redaktion. Vom MKM kam die Vorgabe, dass die Inhalte in einem wissenschaftlichen Duktus geschrieben sein sollten. Ein eher ungewöhnlicher Ansatz für einen Audioguide, unterstreicht Hans von Seggern: „Unseren besten Autor haben wir für das Projekt gewinnen können. Er hat Texte mit hohem wissenschaftlichem Anspruch geschrieben, die gleichwohl gut verständlich sind.“
Nicht nur Architektur‑Aficionados wird das Gespräch des Direktors, Prof. Dr. Walter Smerling, mit Jacques Herzog, einem der beiden Basler Architekten des Museum Küppersmühle begeistern. „Das Interview der beiden ist die Einführung zum Rundgang. Die Idee dieses Intros war eine gemeinschaftliche Produktion mit der Stiftung“, erläutert Hans von Seggern. Im Intro erklärt Jacques Herzog, dass es heute für Architekten ganz neue Anforderungen an Museen gibt: Auch unerwartete Räume sollen geschaffen werden. Räume, die eigentlich nicht zu einem Museum gehören, aber gerade deshalb Herausforderungen für Künstler und Kuratoren sind. Der Star‑Architekt meint am Beispiel des Museum Küppersmühle die skulpturalen Silos, die selbst zu einem Ausstellungsraum werden können. Wesentlich an diesem Entwurf ist auch, dass das Treppenhaus nicht nur ein funktionelles Bauteil ist, sondern Teil der Dramaturgie. Und sogar noch mehr: Es hat einen transformativen Charakter und soll den Menschen wieder zu sich bringen.
Inhaltlich ist der Audioguide also top, aber wie sieht es technisch aus? „Für das Museum Küppersmühle haben wir eine native App für iOS und Android entwickelt“, erklärt Hans von Seggern. Die App kann einfach aus den bekannten App‑Stores heruntergeladen werden und punktet bei den Nutzer:innen durch eine schnelle Installation und hohe Bedienungsfreundlichkeit. „Für die Besucher:innen, die nicht mit mobilen Endgeräten ausgestattet sind, gibt es unseren mittlerweile bereits bewährten Multimediaguide supraGuide DIVA mit 6,3" (Zoll) Touch‑Display.“ Ein Vorteil dieses Geräts ist, dass dort Third‑Party‑Apps präsentiert werden können, betont Hans von Seggern. „Damit kann man darauf auch den Audioguide der Sonderausstellung zu den Fotografien von Andreas Gursky hören. Hier gab es eine bereits produzierte App von einem anderen Anbieter.“ Einen Besuch vor Ort kann dieser Audioguide sicherlich nicht ersetzen. Aber es ist ein Instrument, das begeistert: Weil es wirklich Wissen vertieft.